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Ernährung

Wie der Hund überflüssige Pfunde verliert

So helfen Sie Ihrem Hund beim Abnehmen. Vierbeiner brauchen zwar keine Bikinifigur, trotzdem ist das Frühjahr eine gute Zeit, um überflüssige Pfunde loszuwerden – der Gesundheit zuliebe. 
 
Abnehmen beim Hund © Thomas Brodmann / animals-digital.de
Auch während der Abnehmkur sind kleine Leckerlis erlaubt
Die meisten Menschen meinen es einfach nur gut. Weil es nicht nur den zweibeinigen, sondern auch den vierbeinigen Familienmitgliedern an nichts fehlen soll, werden diese nach Strich und Faden verwöhnt. Doch leider hat derlei „Fürsorge“ mit der Zeit oft negative und deutlich sichtbare Folgen. Etwas mehr als 50 Prozent der Frauen, zwei Drittel der Männer und 30 Prozent aller Hunde haben heutzutage zu viel Speck auf den Rippen. Tendenz steigend.


Schon zehn Prozent mehr Gewicht schaden der Gesundheit

Doch Übergewicht ist mehr als ein „Schönheitsfehler“. „Das Mehr an Gewicht belastet die Gelenke und das Herz-Kreislauf-System. Die Hunde sind kurzatmiger, nicht so leistungsfähig und haben bei warmem Wetter Probleme mit der Thermoregulation. Man weiß inzwischen auch, dass der Organismus immer in einem leichten Entzündungsmodus ist und die Tiere leichter in eine diabetische Stoffwechsellage kommen“, erklärt die Tierärztin und Ernährungs-Spezialistin Dr. Kathrin Irgang. „Sehr vielen Haltern ist auch nicht bewusst, dass Übergewicht eine vermehrte Tumorneigung zur Folge hat, dass die Dosierung von Medikamenten zum Problem werden kann und die Lebenserwartung etwa 20 Prozent geringer ist als bei normalgewichtigen Tieren.“ Von Übergewicht spricht man, wenn ein Hund mehr als zehn Prozent vom Idealgewicht abweicht. Liegt er 20 Prozent und mehr darüber, handelt es sich bereits um eine Erkrankung, von Fachleuten Adipositas genannt. Um zu testen, ob ein Hund zu dick ist, ermittelt man am besten den sogenannten Body Condition Score (BCS). „Dabei wird die Fettauflage am Rumpf des Tieres anhand einer Skala von 1 bis 9 beurteilt. Streicht man dem Hund mit der Hand über die Rippen, sollten diese im Idealfall leicht tastbar sein. Außerdem sollte er vor der Hüfte eine Taille haben und von der Seite aus betrachtet eine etwas ansteigende Bauchlinie aufweisen“, führt sie aus.


So erkennen Sie ein Zuviel des Guten bei jungen Hunden

Nur bei Welpen und Junghunden hat der BCS keine Aussagekraft. Durch eine übermäßige Zufuhr an Nährstoffen nehmen sie zwar zu, das Übergewicht zeigt sich aber erst später auf den Rippen, da sie zunächst vor allem in die Höhe schießen. Für Hunde im Wachstum bleibt also nur die gute alte Waage als Gradmesser. Bei Rassehunden können Sie sich gut am Idealgewicht orientieren, das laut Standard für sie festgelegt ist. Bei einem noch im Wachsen begriffenen Mischling lässt sich das Gewicht des gleichgeschlechtlichen Elternteils als Maßstab für das zu erwartende Endgewicht nehmen. Handelt es sich um einen Rüden, zählt also die Rasse des Vaters, bei einer Hündin die der Mutter.


Vorsicht nach der Kastration, bei älteren und kleinen Hunden

Besonders häufig an Übergewicht leiden ältere Tiere, weil sie ein vermehrtes Ruhebedürfnis haben und sich oft nicht mehr so viel bewegen. Bei großen Hunden sollten Sie daher ab einem Alter von sieben oder acht Jahren, bei kleinen ab acht bis zehn auf energiereduziertes Seniorfutter umsteigen. Auch kleine Hunde, die zu reichlich versorgt werden, oder Schleckermäuler wie Beagle oder Labrador haben schnell „Rettungsringe“ um den Bauch. Ebenso kastrierte Tiere, weil sich der Stoffwechsel und das Fressverhalten durch die Kastration ändern. Am besten gewöhnen Sie den Hund daher schon ein paar Wochen vor der Operation an energiereduzierte Nahrung, so vermeiden Sie unnötigen Stress durch eine Umstellung kurz vor oder nach dem Eingriff.


Hunde haben keine eingebaute „Fressbremse“

Fällt es Ihnen schwer, dem Blick bettelnder Hundeaugen zu widerstehen, rufen Sie sich die negativen Folgen von Übergewicht ins Gedächtnis. „Bringt der Hund zu viel auf die Waage, warten Sie nicht so lange, bis Erkrankungen auftreten, die mit Übergewicht einhergehen“, warnt Dr. Irgang. „Eine angemessene Ernährung bedeutet eine große Verantwortung für den Halter. Hunde haben keine eingebaute Fressbremse. Man sollte sich daher im Klaren sein, dass man seinen Hund nie satt gefüttert kriegt.“ Muss Ihr Hund abspecken, verfallen Sie nicht ins gegenteilige Extrem und setzen ihn einfach auf Nulldiät. Dabei werden nämlich nicht nur die Fettreserven, sondern auch die Muskulatur abgebaut, und Sie riskieren schwerwiegende Erkrankungen. Außerdem bringt eine solche Radikalkur nur kurzfristig Erfolg. Aufgrund des Jo-Jo-Effektes sind auch bei Hunden die verlorenen Kilos umso schneller wieder drauf. Auch FdH bringt nichts. Wenn Sie die gewohnte Nahrungsmenge einfach halbieren, leidet der Hund nur ständig unter starkem Hunger und bedient sich eventuell heimlich am Mülleimer oder klaut wie ein Rabe. Senkt man die Futtermenge von kommerziellem Futter so weit ab, dass der Hund abnimmt, kommt es außerdem langfristig gesehen zu einer Unterversorgung mit Eiweiß, Mineralien und Vitaminen. Ernährungsexperten empfehlen daher eine Diät mit kalorienreduziertem Spezialfutter. Weil die darin enthaltenen Ballaststoffe im Magen aufquellen, hat der Hund das Gefühl, satt zu sein. Er nimmt aber durch die reduzierte Kalorienmenge trotzdem ab und bekommt alle wichtigen Nährstoffe, die er für die Gesundheit braucht. Am besten arbeiten Sie mit Ihrem Tierarzt ein individuelles Gewichtsabnahmeprogramm aus. Er weiß auch, welche gesundheitlichen Schwachstellen Ihr Hund eventuell hat und worauf Sie medizinisch gesehen Rücksicht nehmen sollten. Und er kann abklären, ob eventuell eine Krankheit (z. B. Morbus Cushing) hinter dem Übergewicht steckt.


Wann eine Rationsberechnung vom Experten sinnvoll ist

Für Halter, die neben kommerziellem Futter einen Teil roh füttern oder selbst kochen, und bei Hunden, die trotz diverser Diätversuche einfach nicht abnehmen wollen, kann eine Rationsberechnung durch einen auf Ernährung spezialisierten Tiermediziner sinnvoll sein. Er kann bei der Ausarbeitung des Diätplans sogar Geschmacksvorlieben des jeweiligen Hundes berücksichtigen und dem Hund das Abnehmen „schmackhafter“ und damit leichter machen. Nicht vergessen dürfen Sie bei der Schlankheitskur außerdem, einen kritischen Blick auf die Leckerlis zu werfen. „Die meisten Menschen machen sich keine Gedanken, dass z. B. Schweineohren, Wiener Würstchen, Leberwurst oder Käse echte Kalorienbomben sind. Um eine Übersicht zu bekommen, legen Sie daher jedes Mal, wenn Sie dem Hund etwas zustecken, das gleiche Leckerli auf einen Teller und schauen am Abend, was da so alles zusammenkommt“, rät sie. „Trotzdem ist es wichtig, die Leckereien auch beim Abnehmen nicht komplett zu streichen. Ein bisschen Spaß muss das Leben schließlich auch noch machen.“ Als „schlanke Leckerlis“ eignen sich zum Beispiel Obst- und Gemüsestücke oder Reiskekse, natürlich ohne Joghurt- oder Schokoladenüberzug. Wer selbst kocht, kann auch getrocknete Fleischstreifen nehmen und die Kalorienmenge vom Fleischanteil abziehen. Bekommt der Hund Trockennahrung als Reduktionsdiät, können Sie die Tagesration auch abwiegen und einen Teil als Leckerli verwenden.


Schon etwas Bewegung mehr hilft beim Abnehmen

Natürlich schmelzen überflüssige Pfunde viel leichter, wenn Sie das Bewegungspensum steigern. Je nachdem, wie schwergewichtig Ihr Hund ist, beginnen Sie aus Rücksicht auf die Gelenke nicht gleich mit dem Joggen, sondern legen beim Spazierengehen einfach einen „schnelleren Gang“ ein oder gehen zehn Minuten länger. Auch beim Schwimmen im kalten Wasser verbraucht der Hund viel Energie und somit Kalorien. Schwimmt Ihr Hund gerne, nutzen Sie das aus – natürlich nicht bei Minusgraden im Winter! Wichtig ist auch, den Diäterfolg regelmäßig zu überprüfen, indem Sie Ihren Hund jede Woche wiegen. Als Faustregel gilt, dass der Hund in einer Woche rund ein bis zwei Prozent seines Körpergewichts verlieren sollte. Bei einem 20 Kilogramm schweren Hund sind das also durchschnittlich 200 bis 400 Gramm. Verlieren Sie nicht die Geduld, wenn das Fett nur langsam schwindet. Je nachdem, wie viel Ihr Hund zugelegt hat, kann das Abspecken ein paar Monate dauern. Also nicht den Mut verlieren!


So gehen Sie vor, wenn das Wunschgewicht erreicht ist

„Ist das Wunschgewicht erreicht, kann es sinnvoll sein, das Diätfutter noch eine Zeitlang weiter zu geben oder es in der ersten Zeit im Verhältnis 50 zu 50 mit normalem Futter zu mischen, bevor Sie wieder zum Normalfutter übergehen“, erklärt die Ernährungsexpertin. „Sollten Sie unsicher sein, kann eine Rationsberechnung hilfreich sein. Weiß man, bei welchem Energiegehalt des Diätfutters der Hund sein Gewicht hält, kann man den Tagesbedarf mit anderen Futtermitteln zusammenstellen.“ Natürlich dürfen Sie nun nicht wieder in den alten „Schlendrian“ verfallen und dem Hund heute dieses, morgen jenes zustecken. Aber wenn Sie die Gesundheitsspaziergänge beibehalten und aus der Ausnahme keine Regel machen, darf auch mal gesündigt werden. 

Text: Saskia Brixner 


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