Die wichtigsten Helfer bei der Erziehung des Hundes | PARTNER HUND Magazin

Die wichtigsten Helfer bei der Erziehung des Hundes

Nicht alle Hilfsmittel in der Hundeerziehung halten, was sie versprechen. Einige können sogar das Vertrauen des Hundes zu seinem Menschen zerstören. Lesen Sie, welche empfehlenswert sind und wo Vorsicht angebracht ist.
 
Die wichtigsten Helfer bei der Erziehung des Hundes © Thomas Brodmann / animals-digital.de
Die wichtigsten Helfer bei der Erziehung des Hundes!

Ein guter Helfer nützt beiden - dem Menschen und dem Hund

Der Hund von heute führt ein Leben innerhalb der von Menschen erlassenen Gesetze und Regelungen. Damit er diese nicht immer seinem Wesen entsprechenden Regeln schnell begreift und einhält, müssen wir einen Weg finden, die menschlichen Wünsche in die "Hundesprache" zu übersetzen. Nicht alle Hilfsmittel dafür können Sie kaufen und nicht alle käuflichen Helfer sind wirklich empfehlenswert. Doch viele erleichtern die Kommunikation zwischen Mensch und Hund und fördern so auch die Bindung zwischen den beiden. Ganz wichtig: Kein einziges Hilfsmittel, und sei es noch so durchdacht, kann das ersetzen, was wir dem Hund zusätzlich schenken müssen: Verlässlichkeit und Konsequenz.

1. Die Stimme

Die beiden effektivsten Helfer, die immer verfügbar sind und keinen Cent kosten, sind Ihre Stimme und Ihre Körpersprache – sofern sie richtig und vor allen Dingen schlüssig eingesetzt werden. Wenn Ihr Körper „Stopp“ signalisiert und Sie gleichzeitig „Hier“ säuseln, bringen Sie den Hund in einen Konflikt, den er nicht lösen kann. Er wird sich für das entscheiden, was für ihn demonstrativer ist. Und das ist von Hund zu Hund verschieden.

Die Grundregeln für den Stimmeinsatz sind schlicht:
  • Je höher Sie sprechen, desto lieblicher klingt das in Hundeohren
  • Je harscher und tiefer Ihre Stimme ist, desto bedrohlicher wirkt sie auf den Hund
  • Je leiser Sie sprechen, desto höher die Aufmerksamkeit Ihres tierischen Gegenübers
  • Je lauter Sie donnern, desto schneller werden Sie unglaubwürdig in den Ohren Ihres Hundes – er wird Ihr Gebrüll mehr und mehr ignorieren
Ganz einfach also: Mit sanfter, leiser, hoher Stimme sprechen, wenn wir den Hund motivieren oder loben wollen. Und schärfer, etwas lauter und mit tiefer Stimme sprechen, wenn wir ihn tadeln oder ihm etwas verbieten wollen. 

Vorteil: Ihre Stimme ist einmalig und unverwechselbar für den Empfänger
Nachteil: In der Stimme klingen meistens auch Ihre Emotionen mit, die den Hund verunsichern können

2. Die Körpersprache

Ähnlich schlicht sind die Regeln für die Körpersprache:
  • Je entspannter Ihre Mimik und Haltung, desto entspannter und lernbereiter ist der Hund
  • Je marschmäßiger und militärisch wirkender Ihr Gang, desto dominanter und auch abweisender wirken Sie auf Ihren Hund
  • Je eindeutiger und stimmiger Ihr Körperausdruck ist, desto sicherer kommen Sie beim Adressaten an
  • Je mehr Bewegungen Sie zusätzlich machen, desto verwirrender wird Ihre Botschaft
Kurz: Je stärker Sie Ihren Körper und Ihre Mimik unter Kontrolle haben, desto klarer kommen Ihre Wünsche beim Hund an.

Vorteil: Körpersprache und Gesten sind auch auf Entfernung für den Hund gut erkennbar
Nachteil: Nicht durchdachte Gesten und Körperhaltung können vom Hund missverstanden werden

3. Der Clicker

Absolut neutral und hilfreich ist der Clicker, das kleine Knackinstrument, das sich am Handgelenk tragen und mit einem Finger bedienen lässt. Der Clicker sagt dem Hund mit jedem Click, dass er auf dem richtigen Weg ist. Er lobt und belohnt ohne Worte und Gesten, auch wenn der Hund einige Schritte weit weg ist. Das erspart Ihnen das Loben und Belohnen nach jeder noch so kleinen richtigen Übung, das Unterbrechen einer Übung, weil Sie sich bücken müssen, um zu streicheln oder dem Schüler eine Belohnung zuzustecken. Richtig angewendet, spornt der Clicker den Hund zu Höchstleistungen an und ermöglicht ihm auch, von sich aus Leistungen anzubieten. Und: Das Ausbleiben des ersehnten Clicks frustriert nicht wie das ausgesprochene enttäuschte „Falsch“ oder „Nicht so“. Es sagt dem Hund lediglich, dass er etwas anderes tun müsste. Den Clicker müssen beide lernen, der Mensch und der Hund. Ein bis zwei Wochen sollte zum Click auch mit „Fein“ gelobt und zeitgleich ein Leckerchen spendiert werden. Dann ersetzt das Click wechselnd das Lob oder die Belohnung. Und schließlich gibt’s nur noch den Knackton und erst nach einiger Zeit oder vielen Übungen zum krönenden Abschluss den menschlichen Jubel und die Belohnung.

Vorteil: Der Clicker ist neutral und kann zeitgleich mit einer Handlung eingesetzt werden
Nachteil: Wo viele Menschen gleichzeitig clickern, kann das den Hund verunsichern

4. Die Pfeife

Die Pfeife kann, virtuos gespielt, viele Worte ersetzen. Pfeifen gibt es im Ultraschallbereich, nur für den Hund hörbar, und mit verschiedenen Trillertönen, von denen Sie jedem eine andere Bedeutung geben können. Die Pfeife hat eine höhere Reichweite als unsere Stimme und verrät weder Ärger noch Freude. Bevor sie zum Einsatz kommt, muss der Hund die Bedeutung der Triller allerdings lernen. Das ist nicht schwer, Hunde lernen schnell, dass ein „Hierher“, das synchron zu einem Willkommen (klein machen, Arme einladend ausbreiten) und einem bestimmten Pfiff ertönt, dieselbe Bedeutung hat. Also können Sie bald auf die Stimme und die Kniebeugen verzichten.

Vorteil: Der Pfiff ist eindeutig, kurz und emotionslos und deshalb oft wirksamer als ein Ruf
Nachteil: Ein darauf konditionierter Hund hört auf jede gleich eingestellte Pfeife

5. Die Leckerbissen

Hundeerziehung ist auch ohne die kleinen Belohnungen möglich, aber ein Happen nach promptem Folgen bestärkt jeden Hund in seinem Lernwillen. Die Leckereien lassen sich prima in der Gürteltasche unterbringen und sind dann immer parat. Sicher sind sie allerdings nicht, denn sie bergen eine Menge Risiken:
  • Zu viele Leckerchen bei superbraven Hunden machen dick und träge
  • Wenn mal kein Happen zur Hand ist, neigen manche Hunde zu Widerspenstigkeit
  • Ganz schlaue Vierbeiner drehen den Spieß um und bieten ständig Kunststückchen an, um belohnt zu werden
  • Bei Zwergen entstehen manchmal falsche Verknüpfungen, weil die Belohnung erst nach dem Bücken des Menschen, also zeitversetzt zum Lob, folgt
Vorteil: Der Leckerbissen in der Hand weckt immer die Aufmerksamkeit und Motivation
Nachteil: Viele Hunde fordern die Leckerli nach jeder Übung energisch ein

6. Der Futterbeutel

Eigentlich ist er eine Mischform aus Leckerbissen und Apportierspielzeug. Der Beutel ist verschließbar und wird mit Leckerbissen gefüllt. Der Hund darf ihn nach erfüllten Aufgaben „jagen“, muss ihn zurückbringen und bekommt dann aus dem geöffneten Beutel seine Belohnung. Ganz schnell genügt beim Hund, der das Prinzip begriffen hat, der Anblick des Beutels, um sich voll zu konzentrieren und gierig auf Aufgaben zu warten, die ihn dem begehrten Beutelinhalt näher bringen. Das Risiko: Ohne Beutelhoffnung erlahmt manchmal die Lernlust. Sie sollten ihn also immer dabeihaben.

Vorteil: Die gemeinsame „Arbeit der Beutesuche“ entspricht dem Hundewesen
Nachteil: Ohne den Futterbeutel vergessen viele Hunde ihre Motivation und arbeiten nicht mehr mit

7. Halsband, Geschirr

Halsband oder Geschirr sind zunächst einmal die Verbindung vom Hund zur Leine. Sie wirken direkt auf den Hundekörper und werden als Erziehungshelfer meistens zum Unterbinden unerwünschter Verhaltensweisen genutzt. Schon das normale weiche Halsband wirkt auf den Kehlkopf ein, wenn der angeleinte Hund zerrt. Auch ein Hund im Geschirr wird gestoppt, wenn er die Reichweite der Leine erreicht hat. Für „unverbesserliche“ Leinenzerrer oder Menschen, deren andere Erziehungsversuche fruchtlos blieben, gibt es jede Menge Spezial-Halsbänder und -Geschirre.

Vorteil: Erziehungsgeschirre können bei „hoffnungslosen“ Fällen gute Wirkung zeigen
Nachteil: Falsch angewendet, sind Halti und Co. kontraproduktiv und verunsichern den Hund

8. Leine, Schleppleine

Die Leine ermöglicht die unmittelbare Einwirkung des Halters auf seinen Hund. Sie dient anfangs als Mittel, den Hund in engem Umkreis zu seinem Menschen zu halten. Später gibt sie dem Menschen Sicherheit in prekären Situationen wie dichtem Straßenverkehr. Als Erziehungsmittel ist eine Zweimeterleine ideal, die sich mehrfach verkürzen lässt. Die Ausziehleinen sind als Erziehungshilfe ungeeignet, aber in Städten mit Leinenzwang immerhin eine Möglichkeit, dem Hund einen größeren Radius zu gewähren. Für Vierbeiner, die – leinenlos – davonstürmen und an der Duftspur eines Hasen oder dem Anblick eines Rehs ihre gesamte Erziehung vergessen, bietet sich die Schleppleine an. Richtig genutzt, bläut sie dem Hund ein, dass er abrupt wie von Geisterhand gestoppt wird, wenn er auf Herrchens/Frauchens Ruf nicht kehrtmacht. Schleppleinen gibt es in unterschiedlichen Längen. Je länger sie sind, desto größer die Gefahr, dass sich Hund und Leine im Gestrüpp verheddern, deshalb sind Schleppleinen eher in offenem Gelände sinnvoll. Allerdings bewahren Sie den Hund nicht immer vor einem Rückfall, wenn er ohne Leine läuft.

Vorteil: Die Schleppleine gibt notorischen „Jägern“ begrenzte gefahrlose Bewegungsfreiheit
Nachteil: Viele Hunde führen den Menschen an der Leine statt umgekehrt und verlieren so den Respekt

9. Spielzeug/Dummy

Alle Hunde, die gern jagen, zerren, ihre Kraft erproben wollen oder immer spielbereit sind, lassen sich mit einem Ball oder einem anderen Dummy schnell motivieren. Oft genügt es, das Spielzeug nur in die Hand zu nehmen, um sie aus jeder Situation zum Menschen eilen zu lassen. Das Spielzeug im Blick oder in der Nase sind sie zu Superleistungen bereit – suchen, apportieren, Hürden nehmen, Frisbees fangen oder die Übungen des Grundgehorsams absolvieren. Wenn es die „Beute“ immer erst am Ende einer Arbeitseinheit gibt, mindert sich das Suchtrisiko, denn Ball-Junkies lernen nicht: Ihr ganzes Streben ist nur noch auf den Ball gerichtet. Spielzeug wird oft beim Unterricht von Jagd- und Diensthunden eingesetzt und löst die während der geforderten Leistungen aufgebaute Spannung. Richtig eingesetzt, befriedigen sie vor allem Workaholics und nimmermüde Hunde.

Vorteil: Bei temperamentvollen Hunden ersetzt das Spielzeug den Leckerbissen
Nachteil: Die Gefahr, süchtig nach dem Spielzeug zu werden, steigt mit der Häufigkeit des Einsatzes

10. Der Target

Der schlanke Stab mit einem Gummi- oder Plastikkopf ist nichts anderes als ein verlängerter Arm des Menschen. Er bewährt sich vor allem bei kleinen Hunden. Der Hund wird immer dann belohnt, wenn er mit seiner Nase den Targetkopf anstupst. Dadurch lässt er sich lenken, lernt schnell, Figuren zu laufen oder im Hundesport Hindernisse anzusteuern oder Bälle zu treiben. Targets sind Kurzzeithilfen, die bald durch den ausgestreckten Menschenarm ersetzt werden können.

Vorteil: Hunde begreifen den Zielstab schnell und lassen sich prima damit lenken
Nachteil: Ohne zeitgleiches Lob verliert der Target seinen Reiz

11. Wurfkette, Disc, Klapperdose, Wasserspistole

Die mechanischen Stopper sollten Hundehandlungen die unerwünscht (oder gefährlich) sind, stoppen und dabei nachhaltig wirken. Bei vielen Hunden sind sie äußerst wirkungsvoll, müssen aber bedacht eingesetzt werden. Die Wurfkette oder Klapperdose, gezielt neben den Hund geworfen, der gerade einen Pferdeapfel verspeisen will, verursachen bei ihm einen Mordsschreck und oft macht er sogar einen Satz zur Seite. In diesem Augenblick sollten Sie ihn freundlich „als Retter“ zu sich rufen. Ähnlich funktionieren die Erziehungsdiscs, die es einmal als scheppernde Ketten gibt, zum anderen auch mit einem Ultraschall-Signalton, beides Abbruchsignale. Vergessen Sie nicht, dazu Ihr energisches „Nein“ von sich zu geben, und loben Sie den Hund sofort, wenn er seine „Untat“ lässt. Für alle gilt: Auf keinen Fall darf der Hund getroffen werden, üben Sie sich deshalb vorher im Zielen. Der unbedenklichste Stopper, wenn auch nicht bei allen Hunden wirksam, ist die Wasserpistole. Auch ein sensibler Hund kriegt keinen Herzinfarkt, wenn er den Wasserstrahl abbekommt, weil er gerade was vom Tisch klauen will.

Vorteil: Mit Bedacht eingesetzt, können sie den Hund stoppen und sogar sein Leben retten
Nachteil: Ohne genaues Zielen kann der Hund getroffen und sogar verletzt werden
 
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